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Wie aussagekräftig ist der Corona-Test?

 

Wie aussagekräftig ist der Corona-Test eigentlich?

Von Wilfried Dubbels

Jens Spahn erklärte in seinem Interview im „Bericht aus Berlin“ am 14.Juni:

“Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir nicht nachher durch zu umfangreiches Testen – klingt jetzt total … da muss man erstmal um zwei Ecken denken – durch zu umfangreiches Testen zu viele falsch Positive haben. Weil die Tests ja nicht 100 Prozent genau sind, sondern auch eine kleine, aber eben auch eine Fehlerquote haben. Und wenn sozusagen insgesamt das Infektionsgeschehen immer weiter runtergeht, und Sie gleichzeitig das Testen auf Millionen ausweiten, dann haben Sie auf einmal viel mehr falsch Positive.“

Sehr richtig, Herr Spahn, und das hat nicht nur Auswirkungen auf die Betroffenen, sondern auch für deren familiäres, soziales und berufliches Umfeld! Inzwischen werden aber 1,4 Millionen (ca. 50 Millionen Euro) Tests pro Woche gemacht, deren Ergebnisse maßgeblich die Strategie gegen das SARS-CoV-2 Virus bestimmen! Wie soll man denn das verstehen, Herr Spahn?

Zur Zeit orientiert man sich ausschliesslich an den sogenannten „Neuinfektionen“ mittels PCR-Test. Kary B. Mullis, der für die Erfindung des PCR-Testmethode den Nobelpreis erhielt, hat stets darauf hingewiesen, dass diese Methode nicht für die klinische Diagnostik geeignet sei, weil dieser Test keinen Erreger nachweist, sondern Fragmente von Genen durch Vervielfältigung sichtbar macht. Das PCR-Test-Verfahren ist auch heute noch als einzelnes Werkzeug der klinischen Diagnostik nicht geeignet und allein nicht zugelassen. Im Gegensatz zum Gesundheitsamt in Deutschland weist das Schweizer Gesundheitsamt in der Anweisung stets darauf zur Testung mittels PCR hin:

„Die PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ist eine NAT (Nucleic Acid Amplification Technology)-Methode der modernen Molekularbiologie, um in einer Probe vorhandene Nukleinsäure (RNA oder DNA) in vitro zu vervielfältigen und danach mit geeigneten Detektionssystemen nachzuweisen. Der Nachweis der Nukleinsäure gibt jedoch keinen Rückschluss auf das Vorhandensein eines infektiösen Erregers.“

 

Die praktischen Erfahrungen mit dem Drosten Test

 

Punkt 1

 

Viele positiv getestete Personen sind laut verschiedener Gesundheitsexperten „falsch positiv“ getestet worden.    

 

Die Ausbreitung der Corona-Pandemie wird weltweit überwiegend mit einem nach der PCR-Methode ermittelten Test kontrolliert, den Charité-Virologe Christian Drosten speziell für den Nachweis von SARS-CoV-2 entwickelt hat. In den letzten Wochen kritisieren immer mehr Gesundheitsexperten den Test dafür, dass er für Massentests unter Menschen ohne Symptome wegen der hohen Fehlerquote nicht geeignet sei.    

Die Kritiker schreiben in einem aktuellen Thesenpapier, bei Massentests unter Menschen ohne Symptome erbringt die PCR-Methode sehr viele falsch positive Ergebnisse, und zwar bei weit mehr als der Hälfte der positiv getesteten Personen. So stünden je nach Labor im schlimmsten Fall zehn tatsächlich Infizierten 49 „falsch Positive“ gegenüber, so eine Modellrechnung. Durch Absicherung mit einem zweiten oder gegebenenfalls dritten Test könne die Fehlerquote zwar gesenkt werden, sie ist aber dennoch sehr hoch.

Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist eine positiv getestete Person tatsächlich positiv?

Bei Angaben zu Sensitivität und Spezifität der in Deutschland verwendeten PCR-Tests halten sich sowohl das Robert Koch-Institut als auch das Labor am Institut für Virologie der Charité auffallend bedeckt. Dr.med. Dagmar Lühmann, Vizevorsitzende des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (EBM), geht aufgrund verfügbarer Studien davon aus, „dass es beim anlasslosen Testen auch unter optimierten Bedingungen immer noch etwa 1000 falsch positive Testergebnisse auf 100 000 Tests geben wird“, während bei einem Großteil der deutschen Labore herausgefunden wurde, dass die falsch-positiven Rate zwischen 1,4 und 8 Prozent liegt. Je mehr getestet wird, desto mehr kann es also den Anschein haben, dass es viele Infizierte gibt, obwohl das gar nicht zutrifft.

Eine offizielle, unabhängige Bewertung der Genauigkeit der PCR-Tests gibt es leider nicht. „Referenzlabor“ ist das Charité-Labor von Drosten, in dem der Test entwickelt wurde. Experten fordern daher eine unabhängige Expertise und Ärzten wird im „Deutschen Ärzteblatt“, wie allgemein üblich, zu einer Vortestung mit Befragung geraten ( Kontakt mit Infizierten, Reise aus einem Risikogebiet, bestehende Vorerkrankungen, deuten Symptome und Befunde auf Covid 19 hin etc), um eine sichere Diagnose stellen zu können.

 Punkt 2

„Ein großer Teil der positiv getesteten Personen ist weder erkrankt noch ansteckend“

 

Bei dem Verfahren der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) werden die Viruspartikel so lange vervielfältigt, bis ein Messsignal auftaucht. Durch die Vervielfältigung werden selbst geringste Virenmengen erkannt. Dieser scheinbare Vorteil kann sich aber auch als Nachteil erweisen, denn das führt beim PCR-Test auch dazu, dass Menschen ein positives Ergebnis bekommen, obwohl sie aufgrund der geringen Viruslast weder erkrankt noch ansteckend sind, da die Viruspartikel nicht (mehr) infektiös sind.

Um infektiöse Virusmengen sicher nachweisen zu können, sollte der Vervielfältigungsfaktor beim PCR-Test nach Meinung der Experten limitiert werden. Dieser Wert, auch Cycle-threshold-Wert (Ct-Wert) genannt, ist das Maß für die benötigten Schritte zur Vervielfältigung des viralen Erbguts. Dabei gilt, je höher der gefundene Ct-Wert ist, desto niedriger ist die ursprüngliche Viruskonzentration in der untersuchten Probe. Macht es überhaupt einen Sinn zig-mal zu vervielfältigen? Ist zum Beispiel jemand bei dem mehr als 30 Zyklen notwendig waren, um Covid-19-DNA zu finden, auch krank oder ansteckend? Eine kanadische Studie ergab schon im Mai, dass Proben nur bei einem Ct-Wert von unter 24 infektiös waren! Selbst wenn man in den USA den Ct-Schwellenwert auf 30 gesenkt hätte, wäre laut der US-Virologin Prof. Juliet Morrison die Hälfte der im Juli in New York positiv getesteten negativ gewesen! Das heißt im Klartext: Ein Großteil der „Positiven“ könnte für die Pandemiebekämpfung völlig irrelevant sein, taucht aber in den Statistiken auf, mit denen die Politik ihre Eindämmungsmaßnahmen begründet! Das gilt übrigens nicht nur für die USA und Deutschland, sondern von einigen Ausnahmen abgesehen, weltweit!

 

Mein Ratschlag an die Bundesregierung und Herrn  Spahn ist daher:

 

Ändern Sie die Strategiemaßnahmen!

1)Verfolgen Sie nicht mit Argusaugen die Anzahl der Neuinfektionen, sondern legen Sie den Fokus mehr auf die Anzahl der Erkrankten und der Patienten, die stationär behandelt werden müssen! Prof. Dr. Streeck, Prof. Jonas Schmidt-Chanasit und Dr.med. Andreas von Gassen haben ein entsprechendes Konzept erarbeitet (Ampelsystem)!  

 

2)Überfordern Sie die Gesundheitsämter nicht mit Kontaktnachverfolgungsmaßnahmen, sondern setzen Sie das Personal stattdessen zielgerichtet in Hotspots ein! Anderweitig ist eine berechtigte und zeitnahe Quarantänemaßnahme nicht möglich. Die Verfolgung einzelner Infektionsketten aufgrund eines positiven Befunds, der womöglich auch noch falsch positiv ist oder nicht infektiöses Virusmaterial nachweist, ist ein Kampf gegen Windmühlen, den die Gesundheitsämter nur verlieren können, was jetzt ja teilweise auch schon der Fall ist.

 

3) Legen Sie einen Ct-Wert von max.30 für den PCR-Test fest, damit ausschliesslich infektiöse Viruspartikel nachgewiesen werden!

 

4)Veranlassen Sie keine PCR-Tests ohne vorherige Anamnese! Dadurch wird die Fehlerquote (falsch positive Ergebnisse) drastisch gesenkt! 

 

5)Legen Sie die Schwerpunkte auf Kliniken, Altenheime und Risikogruppen! Die Kliniken sind zwar materiell sehr gut gerüstet und die Ärzte sind auch besser auf schwere Covid-Verläufe vorbereitet, aber es mangelt an fachlichem Personal. Was nützt es, wenn man 30000 Intensivbetten hat, aber das geschulte Personal dafür fehlt. Weshalb hat man die Sommerzeit nicht genutzt, um Fachkräfte für die Beatmung zu rekrutieren? Das pflegende Fachpersonal ist das schwächste Glied der Kette in unserem Gesundheitssystem, das ansonsten im europäischen Vergleich gut aufgestellt ist. Um das Pflegepersonal und die Ärzte zumindest teilweise zu entlasten, könnte man das Gesundheitsamt hier zielgerichtet für Testungen von Klinikpersonal, Personal von Altenheimen und deren Besucher sowie für bürokratische Arbeiten und Erarbeitung von Hygienekonzepten vor Ort einsetzen.   

 

6)Testen Sie das gesamte Klinikpersonal und Pflegepersonal in Altenheimen (bitte nicht das Reinigungspersonal vergessen) lückenlos mit Antigen-Tests (Schnelltests) und testen Sie zur Absicherung mit einem PCR-Test gegen, um falsch negative Tests aufzuspüren!

 

7)Antigentests (Schnelltests) und FFP2- Pflicht auch für die Besucher von obigen Einrichtungen!    

 

8) Gegebenenfalls Antigentests (Schnelltests) auch für Reiserückkehrer. Insbesondere bei Massentests von Symptomlosen sind Antigentests das bessere Werkzeug im Vergleich zu den PCR-Tests. Die Schnelltests würden verlässlich die ansteckendsten Personen und Superspreader aufspüren, da sie laut Harvard-Epidemiologe Prof. Michael Mina nur infektiöses Virusmaterial detektieren.

 

9)Nehmen Sie alle für den November geplanten Maßnahmen zurück, da sie nur kurzfristig die Zahlen senken, aber langfristig  kontraproduktiv sind:

 

Reduzierung von sozialen Kontakten führt zu Vereinsamung, Depressionen und zur Immunsuppression.

Verzicht auf Sport und Fitness zu Übergewicht und Imbalancen des Immunsystems.

Ständige Desinfektion von Händen und Gegenständen über einen längeren Zeitraum verändert unser Mikrobiom und damit die Abwehrkräfte. Häufigeres Händewaschen reicht völlig aus. Nur in Kliniken, Altenheimen etc. sollten Hände und natürlich auch Gegenstände desinfiziert werden.

Masken sollten dort getragen werden, wo es notwendig ist. Das wäre in geschlossenen Räumen und überall dort, wo ein gebührender Abstand nicht eingehalten werden kann! Wenn Maske, dann aber auch eine FFP2-Maske!    

 

Appellieren Sie an den gesunden Menschenverstand und an die Eigenverantwortung der Bürger mit gut nachvollziehbaren Maßnahmen! Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat und nicht in einem diktatorischen Überwachungsstaat.

Von einem Lockdown wird auch von der WHO abgeraten. Dr. David Nabarro von der WHO verurteilte den Einsatz von Lockdowns als "primäres Mittel zur Kontrolle dieses Virus" und sagte, sie seien nur gerechtfertigt, "um Zeit zu gewinnen um sich neu zu organisieren und Ressourcen neu zu verteilen". Diese Zeit haben Sie nach dem ersten Lockdown leider nicht genutzt. Wir haben viel zu wenig Pflegepersonal. Das ist seit Jahren bekannt, also auch schon vor Corona. Sie haben es versäumt, Anreize für die Ausbildung von Pflegefachpersonal und für die Intensivpflege an den Betten zu schaffen. Ein beatmeter Patient braucht bis zu fünf Schwestern oder Pfleger. Das könnte sich jetzt rächen und dazu führen, dass das Personal völlig überfordert ist und Engpässe entstehen, die den Klinikbetrieb vollständig lahmlegen können, da die Stationen auch ohne Covid-19 Erkrankungen bereits ausgelastet sind. Viele Operationen und Behandlungen mussten im Frühjahr verschoben werden und sind noch nicht vollständig abgearbeitet. So wurden kürzlich im Schongauer Krankenhaus 17 Patienten, die wegen anderer Beschwerden behandelt wurden, mit dem Corona-Virus infiziert. 38 Mitarbeiter wurden positiv auf das Corona-Virus getestet und mussten in häusliche Quarantäne. Hier hat man überhaupt noch nicht dazu gelernt. Wenn das so weiter geht, werden wir tatsächlich bald große Probleme haben. Handeln Sie gezielt und nicht nach dem Gießkannenprinzip. Sonst ist nach dem Lockdown wieder vor dem Lockdown und die Wirtschaft liegt völlig am Boden! Das Virus ist weder in vier Wochen noch in vier Monaten verschwunden. Es wird uns ein Leben lang verfolgen, auch wenn es irgendwann einmal einen Impfstoff geben sollte! Nur wird dann keiner mehr darüber reden, weil wir uns daran gewöhnt haben!      

 

Copyright

 Wilfried Dubbels

 

Quellennachweise

 

https://www.aerzteblatt.de/archiv/214370/PCR-Tests-auf-SARS-CoV-2-Ergebnisse-richtig-interpretieren?fbclid=IwAR29TKqX1UBlnXikKs4_VrrM48bpneC-2711VdOYg2J0qNH3mlxhhaQEPWU

 

https://www.meinbezirk.at/niederoesterreich/c-regionauten-community/who-aendert-haltung-zu-lockdowns-und-spricht-sich-nun-dagegen-aus_a4288455?fbclid=IwAR2xGWJrdpxsCTIJePu70rbqYyKf3KpizvOeBnBxOQhCN5FsGmyvAfnmxig#gallery=null

 

https://www.presse.online/2020/06/20/spahn-durch-zu-viele-tests-mehr-falsch-positive-faelle-als-echte/

 

 

https://www.cebm.net/covid-19/pcr-positives-what-do-they-mean/

 

 

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