Sind es die Gene, die uns dick und krank machen?

Sind es die Gene, die uns dick und krank machen?

 

Von Wilfried Dubbels

 

Jeder Mensch trägt im Durchschnitt 50 bis 100 Genvarianten für Erbkrankheiten mit sich herum. Aber Übergewicht, Diabetes, Krebs, Herz- Kreislauferkrankungen und Osteoporose. Ist das alles wirklich nur eine Frage der Gene? Keineswegs. Wissenschaftler liefern andere Erkenntnisse. Lebensstil und Umwelteinflüsse können unsere Gene derart verändern, wie man es vor einigen Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte. Der Wille kann Berge versetzen.

Auch wenn man kein genetischer Glückspilz sein sollte, sollte man seinen Genen allein nicht die Schuld geben, und sich damit der Eigenverantwortung für den Körper entziehen.

Denn durch Umstellung von Ernährungsgewohnheiten, einen gesunden Lebensstil und durch Sport kann man die „guten“ Gene für sich arbeiten lassen und die „schlechten“ Gene abschalten.  

  

Ein trainierter Muskel mobilisiert z.B. eine Vielzahl von Botenstoffen, die einen ungeahnten Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Der Skelettmuskel ist keineswegs nur für die Bewegung zuständig, wie bislang angenommen, sondern vermutlich auch das wichtigste Stoffwechselorgan unseres Körpers.

 

Die verschiedenen Botenstoffe, die der Muskel bei Belastung aussendet, fungieren als Signalstoffe und beeinflussen alle anderen Organe, indem sie Fett verbrennen, die Durchblutung der Gefäße verbessern, die Leber entlasten, das Gehirn vor Demenz schützen und Abwehrstoffe mobilisieren. Körpereigene Fresszellen und Killerzellen vermehren sich und vernichten Viren, Bakterien und sogar Krebszellen. Die Botenstoffe des Muskels werden unter dem Begriff Myokine zusammengefasst.

 

Erst 2005 hat eine Forschergruppe aus Dänemark die Myokine entdeckt. Vermutlich agieren die Myokine als Gegenspieler zu den Adipokinen des Bauchfetts. Adipokine sind Botenstoffe der Fettzellen.

 

Auch hiervon konnten bis jetzt nur einige Substanzen identifiziert werden. Einige sind bekannt dafür, dass sie den Appetit und den Blutdruck regulieren. Mit Hilfe dieser Botenstoffe kommunizieren die Fettzellen mit anderen Organen. Dieses System ist fein ausbalanciert. Aber nur solange das Fettgewebe normal groß ist und seine Signale sich in Häufigkeit und Stärke harmonisch in die allgemeine Kommunikation im Körper einfügen.

 

Bei übermäßiger Fettansammlung insbesondere in der Bauchgegend setzen die Fettzellen Unmengen von Botenstoffen frei und überschwemmen damit den Körper. Die Folgen sind: Entzündungen an den Gefäßwänden, Abschwächung der Wirkung von Insulin, Verhinderung der Auflösung von Thromben verhindern, Begünstigung der Verengung von Gefäßen und Senkung des Testosteronspiegels bei Männern. Ein Mehraufkommen dieser Botenstoffe ist die Ursache verschiedener Erkrankungen. Mit einer gut ausgewogenen Ernährung kann gegengesteuert werden. Radikaldiäten sind hier kontraproduktiv.

 

Jetzt wird vielleicht auch verständlich, weshalb es bei Diätplänen wichtig ist nicht nur auf das Körpergewicht zu achten, sondern vielmehr auf die Körperkomposition. Die meisten Menschen denken ja beim Thema Übergewicht nur über die Energiezufuhr und das Körpergewicht nach: Sie essen einfach nur weniger anstatt sich auch mehr zu bewegen und Sport zu betreiben. Für den Körper ist das eine Katastrophe; denn um an Energie zu kommen, baut er nicht nur Fett, sondern überwiegend Muskelmasse ab. Mit jeder Reduktionsdiät wird Muskelmasse weggehungert und der Körperfettanteil nimmt ständig zu, da der Grundumsatz mit weniger Muskelmasse abnimmt. Der Körper wird so mit Botenstoffen der Fettzellen überschwemmt, während die Botenstoffe des Muskels kaum noch mobilisiert werden können. Übergewicht und Krankheiten sind die Folge.

 

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen Sie Ihre Muskeln mit Sport und Bewegung belasten. Sport dient nicht nur dazu, Fett zu verbrennen und den Grundumsatz des Körpers zu erhöhen, sondern auch, um gesundheitsfördernde Botenstoffe freizusetzen. Selbst mentale Funktionen bleiben mit Sport im Alter besser erhalten als mit Gehirnjogging. Immer wenn wir unsere Muskeln belasten, schalten wir mehrere Tausend Gene an - nicht auf einmal, sondern wie bei einem Orchester wird ein Gen durch ein anderes aktiviert und damit der „Schaltplan“ für die Gene optimiert.

 

 

Copyright Wilfried Dubbels

 

 

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