Classic Bodybuilding History

 

 

In den 70er Jahren steckte die Sportmedizin noch in den Kinderschuhen. Bodybuilding war kaum Thema wissenschaftlicher Studien. Als „Pionier“ war ich gezwungen, mit selbst gebauten Geräten nach der „Trial and Error Methode“ allein im Heimstudio zu trainieren und kopierte die Trainingsprogramme meiner Idole.

 

Ich trainierte jede Muskelgruppe mindestens 2mal pro Woche mit 3-6 verschiedenen Übungen a’ 3x8 Wiederholungen bei jedem Workout bis zur totalen Erschöpfung. So kam ich auf 6 Tage Training pro Woche.

 

Heute weiß ich, dass solche täglichen Trainingsmarathoneinheiten erhöhte Cortisolspiegel zur Folge haben. Cortisol ist als Gegenspieler des Testosterons der größte Feind des Bodybuilders und verursacht Muskelabbau. Außerdem habe ich inzwischen die Erfahrung gemacht, dass weniger Training effizienter ist. Seit Jahren trainiere ich daher nur noch an jedem 2.Tag und jede Muskelgruppe nur noch einmal pro Woche.

 

Nicht nur die Trainingswissenschaften, sondern insbesondere die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Sporternährung haben die Leistungen der heutigen Bodybuilding-Stars vorangetrieben. Ich halte daher die Ernährung und Nahrungsergänzung im Hardcore Bodybuilding für genauso wichtig wie das Training. Denn im erfolgreichen Leistungsbodybuilding müssen folgende Grundbedingungen erfüllt sein:

 

1. ausreichende Wachstumsreize durch Training

 

2. schnelle Regeneration durch Nährstoffe

 

(denn nur ein vollständig regenerierter Muskel kann überkompensieren)

Shooting Niagara Fälle (Fotograf: Bob Kennedy)

Bei Bob Kennedy zu Besuch

Photography by Wayne Gallasch

Meine ganz persönlichen Erinnerungen ans Bodybuilding  - Teil 1 Wie alles anfing...

In den 60er und 70er Jahren steckte die Sportmedizin noch in den Kinderschuhen. Bodybuilding war kaum Thema wissenschaftlicher Studien, ja, nicht einmal in den Medien vertreten. Unter Gewichtheben und Kraftsport konnte man sich eher etwas vorstellen. Nahrungsergänzungsmittel wurden in unseriösen Anzeigen wie „ 10 Pfund Muskeln in 10Tagen“ in so genannten Schmökern angepriesen. Als „Pionier“ war ich gezwungen mit selbst gebauten Geräten nach der „Trial and Error Methode“ allein im Heimstudio zu trainieren und kopierte die Trainingsprogramme meiner Idole.

 

Meine Trainingsausrüstung bestand aus einer selbst gebauten Langhantel. Dafür musste eine alte Brechstange herhalten, die in einen mit Zement gefüllten Eimer gesteckt wurde. Als der Zement durchgehärtet war, wurde das andere Ende der Stange in einen mit Zement gefüllten Eimer gesteckt und gewartet bis auch dieser Zement hart war. Fertig war meine Langhantel. Als „Kurzhanteln“ verwendete ich zwei Eimer, die ich mit Backsteinen gefüllt hatte. Großer Vorteil beider „Kurzhanteln“ im Vergleich zur „Langhantel“: das Gewicht war variabel. Nachteil: die „Kurzhanteln“ waren sehr unhandlich. Zwei Holzböcke dienten mir als Ablage und ein Expander, den ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte sowie ein Klimmzugreck, das bei uns im Garten stand, vervollständigten mein „Heimstudio“. Mit dieser „Ausrüstung konnte ich meinen Körper in zwei Jahren total verändern und wurde vom Schwächling zum Klassenstärksten. Ich hatte mein Körpergewicht von 55kg mit 15 Jahren auf 85kg mit 17 Jahren erhöhen können. 30kg Gewichtzunahme in zwei Jahren mit minimaler Trainingsausrüstung. Nicht schlecht für den Anfang, oder? Mit 17 Jahren konnte ich mir endlich einen richtigen Langhantelsatz sowie Kurzhanteln, zwei verstellbare Trainingsbänke, einen Kniebeugenständer und eine Hantelablage leisten, da ich mir in den Schulferien etwas Geld verdient hatte. So habe ich mich auf Meisterschaften vorbereitet. In Fitnessstudios konnte ich nur sporadisch trainieren. Ich trainierte gelegentlich während der Klassenfahrten, die vom Gymnasium organisiert wurden: zum Beispiel bei Reinhard Smolana in München und bei Peter Gottlob in Stuttgart, den ich kurz zuvor im Fernsehen gesehen hatte. Peter Gottlob berichtete in der „aktuellen Schaubude“, dass er seinen erhöhten Eiweißbedarf überwiegend mit Magerquark decke. Seitdem konsumierte ich täglich 1kg Magerquark. In dem Studio von Peter Gottlob, das sich seiner Zeit in der Leuschnerstrasse befand, habe ich auch Alfred Hammerschmidt und Jusup Wilkosz kennengelernt.

 

Nach meinem Abitur habe ich mich zwei Monate lang auf meine erste Meisterschaft, die Mr. Berlin Wahl, in dem Studio von Peter Klay in Berlin vorbereitet, die ich auch auf Anhieb gewann. Kurz vor der „Deutschen Meisterschaft“ holte ich mir noch einige Tipps von Peter Gottlob.

Die Fitnessstudios waren seinerzeit nicht annähernd so gut ausgestattet wie heutzutage, aber alle Bodybuilder trainierten mit „Biß“ und waren hoch motiviert. Als Trainingsmaschinen gab es in sehr gut ausgestatteten Studios vielleicht einmal einen Latissimus Zugturm und eine Hackenschmidt Maschine. Erst zehn Jahre später kam mit Arthur Jones’ Nautilus Maschinen der Umbruch.     

 

Wie ein „Besessener“ trainierte ich jede Muskelgruppe mindestens 2mal pro Woche mit 3-6 verschiedenen Übungen a’ 3x8 Wiederholungen. Jedes Workout bis zur totalen Erschöpfung. So kam ich auf 6 Tage Training pro Woche.

Heute weiß ich, dass solche täglichen Trainingsmarathoneinheiten erhöhte Cortisolspiegel zur Folge haben. Cortisol ist als Gegenspieler des Testosterons der größte Feind des Bodybuilders und verursacht Muskelabbau. Außerdem hatte ich auch inzwischen die Erfahrung gemacht, dass weniger Training effizienter ist. Ich stellte fest, dass ich jedes Mal nach einer Meisterschaft, wenn ich das Training locker anging (2-3mal die Woche), und nicht während der Meisterschaft, in Topform war. Seit Jahren trainiere ich daher nur noch an jedem 2.Tag und jede Muskelgruppe nur noch einmal pro Woche.

In der Bestform meines Lebens war ich im Sommer 1985. Also fast 15 Jahre nach meinem Gesamtsieg als Mr. Germany Jr. Ich hatte jedoch kein Interesse mehr an Meisterschaften. Außerdem war ich durch meine berufliche Tätigkeit als selbständiger Apotheker indisponiert. Meine Frau Marion hat die Bestform mit einem Fotoapparat „dokumentiert“.

 

Als ich mich noch im Wachstum befand und während der ersten Trainingsjahre habe ich alles gegessen, was auf den Tisch kam. Erst durch den Auftritt von Peter Gottlob in der „aktuellen Schaubude“ habe ich mir Gedanken über meinen Eiweißbedarf gemacht. Ich reduzierte den Konsum von tierischen Fetten, aß viel Obst und Magerquark und ergänzte in den Trainingsplateauphasen und vor Meisterschaften meine Ernährung mit Aminosäuren und B-Vitaminen. Die „alten Hasen“ werden sich sicherlich noch an das furchtbar schmeckende „Aminotrat“ und an „Aktivanad“, das es immer noch gibt, erinnern können. Als Zwischenmahlzeit wurde ein Eiweißdrink aus „Glidine“ oder „Kernmark“ zubereitet. Glidine war ein mit der Aminosäure Lysin aufgewertetes Weizeneiweiß und „Kernmark“ eine Weiterentwicklung aus dem Hause „Dr. Klopfer“ mit ebenfalls niedriger Wertigkeit. Qualität und Geschmack waren nicht vergleichbar mit den heute auf dem Markt befindlichen Erzeugnissen. Milch- und Ei-Proteinkonzentrate gab es noch nicht, und speziell für Bodybuilder geeignete Nahrungsergänzungsmittel, musste man sich aus dem Ausland besorgen; zum Beispiel über Reg Park in Großbritannien. Mr. Universum und Herkules Darsteller Reg Park hatte sich in Leeds ein entsprechendes Versandunternehmen aufgebaut und ist später nach Südafrika ausgewandert.

 

Während dieser Zeit habe ich meinen Körper definieren und formen können, ohne an Kraft und Muskelmasse zu verlieren. Das Resultat war ein muskulöser Körper mit schlanker Mittelpartie, breiten Schultern und großflächigem Latissimusmuskel. Mit Training und entsprechender Ernährung kann jeder seinen Körper verändern. Nicht jeder hat das Potenzial Mr.Olympia zu werden, aber jeder kann aus seinem Typ das Beste machen. Nicht nur die Trainingswissenschaften, sondern insbesondere die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Sporternährung haben auch die Leistungen der heutigen Bodybuilding-Stars vorangetrieben. Die Ernährung und Nahrungsergänzung ist für den zielstrebigen Bodybuilder heutzutage daher genauso wichtig wie das Training. Denn im erfolgreichen Leistungsbodybuilding müssen folgende Grundbedingungen erfüllt sein:

 

1. ausreichende Wachstumsreize durch Training

 

2. schnelle Regeneration durch Nährstoffe

 

(denn nur ein vollständig regenerierter Muskel kann überkompensieren)

 

Bogenschießen im Garten
Bogenschießen im Garten
Posing im Studio
Posing im Studio
In Bestform
In Bestform

Meine ganz persönlichen Erinnerungen ans Bodybuilding - Teil 2 ...und wie es weiter ging!

Kurz nach meinem Abitur, und während der Praktikantenzeit zur Ausbildung als Apotheker, habe ich an verschiedenen Meisterschaften teilgenommen, die ich fast alle als Gesamtsieger aller Klassen gewonnen habe. Lediglich bei meiner ersten Teilnahme zur Deutschen Meisterschaft musste ich mich mit dem zweiten Platz begnügen. Meine Titel in 1970 waren: Mr. Berlin, Mr. Norddeutschland, Bestgebauter Athlet der Filmfestspiele Mr. Body. Im Jahr 1971 habe ich mich ausschließlich auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet und bin zum Mr. Germany Jr. gewählt worden. Mit dieser Meisterschaft hatte ich mich vorerst vom Wettkampfsport verabschiedet, da ich mich auf mein Pharmaziestudium konzentrieren wollte.

 

An einem herrlichen Sonntagvormittag im Mai nach der Deutschen Meisterschaft hatte ich mein erstes professionelles Photoshooting mit Albert Busek, der von Anfang an die „Sportrevue“, früher „Kraft und Sport“ dann „Kraftsportrevue“ genannt, als Chefredakteur und Fotograf mitgestaltet hatte. Albert ist als jetziger Chefredakteur der deutschen Ausgabe von „Flex“ und „Muscle&Fitness“ inzwischen weltweit anerkannter Fotograf mit dem wohl größten Archiv aller Stars, der vielen Bodybuildern, Arnold Schwarzenegger eingeschlossen, zu Popularität verholfen hat. So entstand also mein erstes Titelfoto vor der Linse eines Profis, aufgenommen mitten in München auf dem Königsplatz. Keine Nase rümpfenden Bemerkungen unter den Passanten, stattdessen Komplimente. Einige Schaulustige applaudierten sogar. Ich fühlte mich wie ein Star.

 

Durch Mundpropaganda und Empfehlung von Andrew Irsay, einem englischen Bodybuilder, wurde Wayne Gallasch aus Australien, der als Kameramann und Fotograf für „Classic Films“ arbeitete, auf mich aufmerksam gemacht. Man suchte einen Modellathleten vom Typ Zane und Reeves. 1973, also zwei Jahre nach meinem Sieg in München, nahm Wayne, mit dem ich inzwischen befreundet bin, schriftlichen Kontakt mit mir auf. Wir vereinbarten ein Foto- und Filmshooting in London. Im Hyde Park wurden Fotos geschossen, die unter anderem in der ersten Ausgabe des „Muscle Mag International“ mit Story veröffentlicht wurden, sowie Filmaufnahmen auf Super8mm gemacht, die über „Classic Films“ vertrieben wurden. Diese erste „MMI“- Ausgabe hat inzwischen einen Sammlerwert 500US$.

 

In den Jahren 1975 und 1976 entstanden während eines Deutschlandbesuchs von Wayne weitere Foto- und Filmaufnahmen, zum Beispiel vor dem Berliner Reichstagsgebäude und dem Hamburger Jänisch Park. Außerdem organisierte ich während meiner Studentenzeit für Wayne Shootings mit verschiedenen Bodybuildern wie Hans Ringer, Jürgen Brandt, Hans Baus, Uwe Prink, Norbert Albrecht, Hubert Metz, Petr Stach und Superstar Sergio Oliva und unterstützte ihn bei Filmaufnahmen in Paris und Amsterdam. Ein Traumjob für mich als Student.

 

Inzwischen hatte auch Bob Kennedy schriftlichen Kontakt mit mir aufgenommen. Er plante eine Titelstory mit vielen Fotos und Werbekampagne mit mir. Zu diesem Zweck lud er mich nach Kanada ein. Kurz zuvor hatte er gerade ein Shooting mit Dave Draper, das bereits im „Kasten sei“, wie ich von ihm erfahren hatte. „Mein“ Titelfoto entstand an seinem Pool. Weitere ganzseitig veröffentlichte Fotos wurden vor den Niagara Fällen und in einem Studio in Toronto aufgenommen.

 

Ein (nicht) ganz normaler Tag am Strand

 

Kennedy organisierte für mich auch ein Shooting in Los Angeles und ein Treffen mit Arnold Schwarzenegger, den ich vorher noch nicht persönlich kennengelernt hatte. Wir vereinbarten einen Termin am Strand von Venice. An einem sonnigen Samstagnachmittag im September 1976 suchte ich Arnold an der vereinbarten Stelle auf. Auf dem Weg zum Strand begegneten mir Bernd Wilczewski, den ich von der Berliner Meisterschaft her kannte, und Frank Zane. Bernd hatte Frank gerade wieder vom Zahnarzt abgeholt, da dieser während des Trainings im Gold’s Gym, das sich gleich um die Ecke befand, unter furchtbaren Zahnschmerzen litt.

 

“Ist die Welt klein. Was machst du denn hier? Hab gehört , die wollen dich im Muscle Mag ganz groß ’rausbringen, sagte er zur Begrüßung. Andreas Cahling kam mir noch mit Kumpel entgegen und bevor ich Arnold entdeckte, stolperte ich halbwegs über Francesco Columbo, der sich zusammen mit seiner damaligen Frau Anita am Strand entspannte. Es wimmelte nur so von Weltklasse Bodybuildern, genauso hatte ich mir „Muscle Beach“ vorgestellt. Sven Ole Thorsen lief mir über den Weg und Mr. America Roger Callard, der Mann mit den diamantenen Waden, stieg gerade aus dem Wasser als Arnold mir mit unverkennbarem Grazer Dialekt zurief: Bist dua der Dubbels? Dä Bob hat mia angrufa! I hab ghört du kommmst aauf die Titelseitn.

 

So verbrachte ich den Nachmittag mit Arnold am Strand. Wir unterhielten uns über „Gott und die Welt“. Arnold wollte sich neue Ziele setzen, da er im Bodybuilding alles erreicht hat, was man erreichen kann. Gerade seit gestern wäre er von Filmaufnahmen für die Fernsehserie „Die Straßen von San Francisco“ zusammen mit Francesco Columbo und Roger Callard zurück, berichtete er mir. Der halbdokumentarische Film „Mr. Universum“ mit Arnold lief gerade in den Kinos an und Arnold hatte Blut geleckt, Schauspieler, oder wie er sagte, Action Darsteller zu werden. „Ich werde der größte und bestbezahlte Action Darsteller der Welt. Außerdem werde ich dafür sorgen, dass Profi-Bodybuilding lukrativ wird. Ich werde Meisterschaften mit hohen Preisgeldern veranstalten. Die Fußballprofis können ja schließlich auch von ihrem Sport leben. Für Bodybuilder ist das nicht möglich. Sei froh, dass du was Richtiges studierst und dein Geld später als Apotheker verdienen wirst. Ich werde, wenn ich als Action Darsteller alles erreicht habe, in die Politik gehen. Mein ultimatives Fernziel wäre es, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Dieses Ziel werde ich vermutlich nicht erreichen können, da ich nicht in den USA geboren bin. Aber Gouverneur von Kalifornien kann ich werden“, so sagte Arnold. Wie wir alle wissen, hat Arnie inzwischen alle sich gesetzten Ziele erreicht und ist nicht nur für Bodybuilder zum Vorbild geworden. Der Wille kann Berge versetzen. Unglaublich, aber wahr!

 

Weshalb erzähle ich Ihnen das alles?? Mit dem Glauben an sich und seine Fähigkeiten und dem Willen zur Selbstdisziplin und der Bereitschaft, alles zu geben, kann scheinbar Unmögliches realisiert werden. Diese Grundsätze sind nicht nur auf das Bodybuilding anwendbar, sondern auf alle Bereiche des Lebens, wie Studium, Beruf und Familie. Wer nicht daran glaubt, dass er seinen Körperbau verändern kann, der hat schon verloren. Viele möchten zwar einen athletischen Körperbau haben. Aber sie wollen es nicht wirklich, da es ihnen zu anstrengend ist. Statt Training und „healthy way of life“, lieber Disco und Cola mit Chips vorm Fernseher. Das unterscheidet die Erfolgreichen von den weniger Erfolgreichen.

 

Unerwarteter Fan Besuch aus den USA        

 

In Deutschland war ich als Bodybuilder bereits vergessen, während meine Popularität in den USA noch einige Jahre nach der ersten Veröffentlichung im „Muscle Mag International“ anhielt. Die Titelstory und andere Fotos erinnerten bis 1980 an mich, obwohl ich mich schon lange nicht mehr an Meisterschaften beteiligt hatte. Während ich mich gerade eines Tages im Spätsommer 1977 im Garten auf mein Staatsexamen vorbereitete, erschien bei mir ein Fan aus den USA, so stellte er sich mir zumindest vor. Ohne jegliche Deutschkenntnisse hatte dieser 60jährige Mann mal kurz einen „Abstecher“ von Malta, wo er Verwandte besucht hatte, nach Deutschland gemacht, um ein Autogramm von mir zu ergattern und Fotos zu machen. Er hätte Fotos von mir im „Muscle Mag International“ gesehen und fände mich super, sagte der Fan und erzählte ständig von seinem Freund Steve Reeves, und dass ich unheimlich viel Ähnlichkeit mit ihm in frühen Jahren hätte. Spätestens jetzt kam ich ins Grübeln, traute mich aber nicht noch einmal nach seinem Namen zu fragen, den er ja bereits erwähnt hatte, als er sich vorstellte. Erst später erfuhr ich von Wayne Gallasch, welche Prominenz all die Strapazen der Reise auf sich genommen hatte, bloß um mich kennenzulernen. -Der kleine Ort, in dem ich wohne, ist nämlich nur unter äußerst schwierigen Bedingungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen-. Es war kein Geringerer als Jack Lallane. Der Mr. America, der mit verschiedenen Leistungen im Guiness Buch der Rekorde steht und zusammen mit George Eiffermann und Steve Reeves am Strand von Santa Monica vor bewundernden Zuschauern artistische Darbietungen zum Besten gab. Das waren die Männer nach denen „Muscle Beach“ ursprünglich benannt wurde.

 

Für seine Verdienste als Moderator einer Fitnesssendung, die über 30 Jahre im Fernsehen lief, erhielt Jack Lallane einen Stern am Hollywood Boulevard. Den meisten von Ihnen wird Jack Lallane von der Werbung für seinen Power Juicer bekannt sein. Genau. Dieser Mann wollte ein Autogramm von mir. Unglaublich. Inzwischen ist Jack mein Idol und ich habe ihm in meinem Buch über Anti-Aging ein ganzes Kapitel gewidmet.

 

 

Teil 3...20 Jahre später

Wir schreiben das Jahr 1995, inzwischen seit 15 Jahren selbständiger Apotheker, 22 Jahre verheiratet, alle Kinder fast erwachsen, bin ich dem Eisen bis jetzt treu geblieben. Vom Wettkampfbodybuilding habe ich mich bereits vor einem Vierteljahrhundert verabschiedet und denke beim Schreiben meiner „Memoiren“ zwar mit etwas Wehmut an die guten alten Zeiten im Bodybuilding, bereue jedoch nicht, dass ich danach nicht mehr an Meisterschaften teilgenommen habe und Profi geworden bin, sondern etwas „Vernünftiges“ gelernt habe, wie man so schön sagt. Denn als Profi Bodybuilder hätte ich mindestens 20kg mehr Muskelmasse aufbauen müssen, was mit natürlichen Mitteln nicht möglich gewesen wäre…Sie wissen schon, was ich meine. Viele Athleten sind „auf der Strecke geblieben“.

 

Bei einem USA Aufenthalt mit Familie treffe ich neben Reg Park, Joe Gold und Ralf Möller auch Arnold im „Schatzi on Main“ an. Ich bedanke mich bei Arnold, dass er mir 1976 die Augen geöffnet hatte, was das Profibodybuilding betrifft. Arnold kann sich zwar noch schwach an mich erinnern, Einzelheiten sind ihm jedoch entfallen. Meine Frau Marion macht einige Fotos von unserer Unterredung, kurze Zeit darauf gesellen sich Reg Park mit Familie dazu. Sie sind gerade „auf dem Sprung“ zum Flughafen, nehmen sich aber dennoch die Zeit für ein paar Privatfotos mit uns.   

     

Ich trainiere im neuen Gold’s und World’s, wo ich Brad Harris treffe und mich mit ihm über „seine“ alten „Kommissar X“- Filme unterhalte. Brad Harris spielte früher den Captain Rowland in dieser deutsch-italienischen Koproduktion und spricht ausgezeichnet Deutsch. Das Wochenende verbringen wir am Strand von Venice. Ich bin immer noch fasziniert von “Muscle Beach“.    

 

Auf dem Weg nach San Francisco treffen wir Steve Reeves in einem Hotel. Er sieht immer noch phantastisch aus, hat aber Probleme mit seiner Hüfte (Coxarthrose), wie er sagt. Gern erklärt er sich für einige Fotoaufnahmen mit mir bereit als ich ihm erkläre, dass er (Steve Reeves) derjenige sei, der mich bereits als Zehnjährigen so sehr durch seine Rolle als Herkules Darsteller beeindruckt hat, dass ich so aussehen wollte wie er. Diese Aufnahmen des Mannes, der mir in jungen Jahren die Weichen für mein zukünftiges Leben gestellt hatte, sollten leider nichts werden. Erst später als wir in San Francisco ankommen, stelle ich fest, dass der Blitz nicht ausgelöst hatte. Ich kann zu dem Zeitpunkt nicht wissen, dass es nie wieder eine Gelegenheit geben wird, Steve Reeves zu fotografieren. Durch die Medien erfahre ich später, dass er bei einem routinemäßigen Eingriff auf dem OP Tisch verstirbt.          

 

… und danach

 

Im Jahre 2004 besucht mich Wayne Gallasch nach knapp 30 Jahren wieder in Heeslingen. Wayne hat sich inzwischen mit eigener Filmproduktionsfirma selbständig gemacht und führt das Unternehmen zusammen mit seiner Frau und einem seiner Söhne. In Europa ist er durch seine Filmproduktionen für den Fernsehkanal Eurosport sowie die Fibo Veranstaltung bekannt geworden. Der Anlass seines Besuchs ist, einige neue Foto- und Filmaufnahmen von mir zu machen. Diese Aufnahmen werden zusammen mit den Super 8 Aufnahmen der frühen Jahre als DVD unter dem Titel „The German Maestro of Muscle“ von GMV angeboten.

 

Weitere Besuche folgen in den Jahren 2007 und 2011. Da ich inzwischen meine Apotheke nach 25 Jahren Selbständigkeit im Alter von 56 Jahren verkauft habe, habe ich Zeit, die Shootings mit anderen Athleten für Wayne zu organisieren. Wie früher, als ich noch Student war. Abschließend dreht Wayne noch einen Film mit mir über Bodybuilding als natürliches Anti-Aging und versetzt mich in Gedanken zurück in die „guten alten Zeiten“. Mit einem Titelfoto der Sportrevue, aufgenommen von Albert Busek auf dem Königsplatz in München, fing alles an. The golden days of bodybuilding.

 

Weiteres Hobby: Fachjournalismus

 

Neben meiner Tätigkeit als selbständiger Apotheker habe ich gelegentlich für verschiedene Kraftsportmagazine und für wissenschaftliche Publikationen wie die Pharmazeutische Zeitung und die Deutsche Apotheker Zeitung über Themen wie Training, Ernährung, Supplemente und die missbräuchliche Anwendung von Arzneimitteln im Sport, allgemein als Doping bezeichnet, geschrieben. Ich bin dankbar dafür, dass ich es mir finanziell erlauben konnte, bereits mit 56 Jahren aus dem Berufsleben auszusteigen und mich jetzt nur noch meinen Hobbies, dem Bodybuilding und dem Schreiben widmen kann. Nur noch gelegentlich mache ich die Chefvertretung während der Urlaubszeit in „meiner“ Apotheke.  

 

Mein Wissen über Training und Ernährung sowie die Erfahrungen, die ich mit dem Bodybuilding Lebensstil gemacht habe, habe ich in meinem ersten Buch „Die Anti-Aging-Formel“ zusammengefasst. Das Buch richtet sich nicht nur an Kraftsportler, sondern auch, oder sollte ich besser sagen hauptsächlich, an gesundheitlich interessierte Menschen, die bislang noch keine Erfahrungen mit Bodybuilding gemacht haben oder sich dem Bodybuilding bislang verschlossen haben. Diese Menschen möchte ich mit ins Boot nehmen. Einem erfahrenen Natural Bodybuilder muss ich die Vorteile gezielten Muskeltrainings vermutlich nicht erklären. Das Krafttraining setzt gesundheitsfördernde Substanzen, sogenannte Myokine, frei, die als Botenstoffe den Stoffwechsel, hormonelle Funktionen, die Immunabwehr, das Herz-Kreislauf-System und andere wichtige Körperfunktionen regeln. Das Interessante, und selbst für einige Internisten und Kardiologen Neue daran ist, dass korrekt ausgeführtes Krafttraining das Herz-Kreislauf-System effizienter trainiert als Ausdauertraining! Bis vor kurzem war man noch davon ausgegangen, dass Kraftsport für Herzkranke absolut kontraindiziert ist. Hier hat inzwischen ein Paradigmenwechsel stattgefunden.

 

Doch all diese Vorteile werden zunichte gemacht, wenn zur Beschleunigung des Muskelaufbaus und der Fettverbrennung chemische Mittel eingesetzt werden. Arzneimittel wie zum Beispiel Steroidhormone und Insulin setzen bei stoffwechselgesunden Menschen körpereigene Reglerfunktionen ausser Kraft, da die Homöostase körpereigener Substanzen dann gestört ist. Das heisst mit anderen Worten: ein Mehr an Testosteron oder Insulin als der Körper eigentlich braucht, ist kontraproduktiv und schadet dem Körper. Nur bei erwiesenem Defizit ist es sinnvoll zu substituieren und das Defizit auszugleichen. Deshalb bekommt der Typ 1 Diabetiker auch lebenslänglich Insulin als Arzneimittel verordnet. In meinem neuen Buch „Alles was stark macht (oder auch nicht)“ berichte ich über die gesundheitlichen Risiken solcher Substanzen und nehme auch etliche Supplemente unter die Lupe. Nur wenige aller auf dem Markt befindlichen Supplemente sind sinnvoll. Einige schaden nur dem Geldbeutel und andere sind sogar gefährlich. 

 

Copyright Wilfried Dubbels