Können Vitamintabletten krank machen?

Können Vitamintabletten krank machen?

 

Von Wilfried Dubbels

 

Obst, Gemüse und Salate enthalten Vitamine und sind gesund. Gar keine Frage. Aber was ist mit Vitamintabletten? Mit Vitaminen tut man sich etwas Gutes. Und wer nicht genügend Obst und Gemüse isst, der kann auf Vitaminpräparate ausweichen, so propagieren zumindest die Hersteller. Inzwischen gibt es jedoch neue Fakten: Immer mehr Studien zeigen, dass hoch dosierte Vitaminpräparate, die die antioxidativen Vitamine C, A und E sowie Beta-Carotin enthalten, krank machen und sogar Krebs auslösen können. Was ist dran?

 

Die Wirksamkeit von Antioxidanzien in Supplementen ist seit längerem umstritten.

Jüngste Untersuchungen deuten nun sogar darauf hin, dass sie möglicherweise die Lebenserwartung verkürzen können. Nach allem, was man bisher weiß, wirken sich die einzelnen Substanzen in natürlichen Nahrungsmitteln positiver auf die Gesundheit aus, als einzelne, in hoher Dosierung verabreichte Vitamine als Supplement, obwohl sie von der Formel her völlig identisch sind. Wie kann man sich das erklären?

 

Alle antioxidativen Vitamine wirken als Radikalfänger in der natürlichen Nahrung in einem ausgewogenen Verhältnis im Verbund mit anderen antioxidativen Wirkstoffen wie z.B. den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Durch Abfangen freier Elektronen werden die Radikale so kaskadenartig entschärft und nicht vollständig neutralisiert. Die antioxidative Kraft dieses Komplexes ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. In der Vitamintablette liegt jedoch kein ausgewogenes Verhältnis von antioxidativen Inhaltstoffen vor. Je höher die Vitamintablette dosiert ist, desto größer ist das Ungleichgewicht und die Gefahr, dass sie nicht als Antioxidans, sondern als Prooxidans wirkt. Das bedeutet, die schädlichen Oxidationsvorgänge können sogar verstärkt werden. Der Balanceakt zwischen freien Radikalen und Antioxidanzien ist empfindlich gestört.

 

Freie Radikale sind nicht per se gefährlich. Sie sind sogar lebensnotwendig. Freie Radikale sind extrem reaktionsfreudige Moleküle. Sie entstehen bei verschiedenen Stoffwechselprozessen und werden von unserem Organismus zum Beispiel für die Infektionsabwehr benötigt. Auch beim Sport entstehen freie Radikale und sorgen dafür, dass Trainingsreize weiter geleitet werden. Ohne freie Radikale werden keine Wachstumsreize auf die Muskulatur ausgeübt und ohne freie Radikale kann das Insulin seine Wirkung nicht entfalten. Insulinresistenz wäre die Folge.  

 

Entstehen jedoch zu viele freie Radikale, kann es zur Schädigung von Körperzellen kommen. Die freien Radikale greifen körpereigene Strukturen an und zerstören sie. Peptidhaltige Enzyme und Hormone sind hier besonders störanfällig. Um diesen Prozess zu verlangsamen sollte man aber nicht versuchen, mit hohen Dosen von Antioxidanzien die Produktion der freien Radikale zu beeinflussen. Vielmehr sollte es das Ziel sein, das Gleichgewicht von Radikalfängern (Antioxidanzien) zu den freien Radikalen zu stabilisieren, also eine Homöostase zu erreichen. Denn sowohl zuviel als auch zu wenig freie Radiale können dem Körper schaden.

 

Das Problem lässt sich am besten lösen, indem man sich ausgewogen ernährt. D.h. viel Obst Gemüse und Salat, und wegen der Omega-3-Fettsäuren sollte man auch reichlich fetten Fisch wie Makrele und Lachs verzehren. Zu hoch dosierten Vitamintabletten kann bestenfalls als Ergänzung neben einer gesunden Ernährung geraten werden, und selbst dann nur kurzzeitig bei erhöhtem Bedarf, bzw. bei erwiesenem Mangel oder zur Behandlung von Erkrankungen (z.B. hoch dosiertes Vitamin E bei Rheuma). Diese Tabletten sind aber apothekenpflichtig und nicht als Supplement (Nahrungsergänzungsmittel) verkehrsfähig.

 

Vitamintabletten können keine gesunde Ernährung ersetzen! Niedrig dosierte Präparate üben nach jetzigem Erkenntnisstand jedoch keinen nachteiligen Effekt auf das Gleichgewicht der freien Radiale aus.          

 

Übrigens: Die B-Vitamine und das Vitamin-D sind von dieser Problematik nicht betroffen,

da sie über einen anderen Wirkungsmechanismus verfügen und nicht in das Gleichgewicht der freien Radikale eingreifen.

 

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