PPAR-Agonisten Sportpille der Zukunft

PPAR-Agonisten - Sportpille der Zukunft?

 

Beim Bodybuilding werden bestimmte Proteinkinasen aktiviert. Das sind ganz spezielle Enzyme, die den Stoffwechsel modulieren. Durch Signalkaskaden von gesundheitsfördernden Botenstoffen, den sogenannten Myokinen, werden dabei unterschiedliche Gene eingeschaltet, die u.a. die Glucoseaufnahme in den Muskel und das Muskelwachstum fördern. Andere Stoffwechselwege verbessern die Fettverbrennung und Nutzung von Sauerstoff. Die Signalkaskaden werden immer durch freie Radikale, die bei sportlicher Belastung entstehen, angestoßen, und üben über Botenstoffe eine Wirkung an den Bindungsstellen der Muskelzellen aus, indem sie entsprechende Gene einschalten.

Es gibt bereits Arzneistoffe, die die Wirkung von muskulärer Belastung, zumindest teilweise, nachahmen können. So gibt es Arzneimittel für Diabetiker, die die Insulinempfindlichkeit, und damit den Glucosestoffwechsel auch ohne körperliche Belastung verbessern können, indem sie entsprechende Gene aktivieren. Metformin und die Arzneistoffe aus der Gruppe der Glitazone üben dieselbe Wirkung auf den Genschalter in Bezug auf den Glucosestoffwechsel aus wie Körpertraining. Die sogenannten Insulinsensitizer wirken an einem speziellen Rezeptor, dem Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptor-gamma. Daher werden diese Arzneimittel auch als PPAR-gamma-Agonisten bezeichnet. Eine Weiterentwicklung stellen die Glitazare dar. Glitazare wirken nicht nur über gamma-Rezeptoren, sondern zusätzlich über alpha- Rezeptoren. Als alpha-Agonisten sind sie imstande auch den Fettsäureabbau zu steigern. Derzeit befindet sich Aleglitazar in Phase III der klinischen Entwicklung.

Noch in der vorklinischen Entwicklung befinden sich nun Substanzen, die den Rezeptor PPAR-delta aktivieren. Sie können ebenfalls die Verbrennung von Fettsäuren anregen und den Glucosestoffwechsel optimieren. Substanzen aus dieser Gruppe tauchten in den Medien im Zusammenhang mit der Marathon-Maus auf. Derart manipulierte Mäuse konnten laut wissenschaftlicher Studien deutlich länger laufen als normale Mäuse. Daraufhin versuchen einige Pharmaunternehmen seit Jahren PPAR-delta- Agonisten zu entwickeln, welche die positiven Effekte körperlicher Aktivität in Tablettenform liefern sollen. Noch ist es zu früh, die sogenannten Exercise mimetics auszurufen. Aufgrund der schlechten Bioverfügbarkeit, der kurzen Haltbarkeit oder zahlreicher Nebenwirkungen ist zur Zeit keine Tablette geeignet, die das Training ersetzen könnte. Dennoch sind Stoffwechselmodulatoren vom Typ der PPAR-Agonisten mit in die Dopingliste der WHO aufgenommen worden.

 

Die magische "Sport-Pille" ist sicherlich verlockend. Aber sie wird niemals tägliches Training ersetzen können. Denn jedes Mal, wenn wir unsere Muskeln belasten, schalten wir mehrere Tausend Gene an - nicht auf einmal, sondern wie bei einem Orchester wird ein Gen durch an anderes aktiviert. Dieser umfassende Kaskadeneffekt auf hormonelle Regelkreise und Stoffwechselfunktionen kann nicht durch einen einzigen Arzneistoff ausgelöst werden. Wer gesunde Muskelmasse aufbauen will, kommt um intensives Krafttraining nicht herum.

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