Vorsicht - Supplemente im Internet!

Von Wilfried Dubbels

 

Das Internet als anonymes Medium ermöglicht es unseriösen Herstellern und Vertreibern die Gesundheit und das Leben gefährdende Supplemente an den Mann zu bringen und macht das Web zum Tummelplatz von Arzneimittelfälschern und Dealern. Hinter den scheinbar harmlosen Nahrungsergänzungsmitteln verbergen sich häufig nicht verkehrsfähige Arzneimittel, die wegen schwerwiegender Nebenwirkungen vom Markt genommen wurden.  Allein Dinitrophenol hat in Deutschland innerhalb eines Jahres drei Todesopfer gefordert. DNP wird nach wie vor von verschiedenen Internet Shops angeboten. Nicht minder gefährlich sind Amphetamine und Schilddrüsenhormone in „Nahrungsergänzungsmitteln“. Aber auch scheinbar harmlose Inhaltsstoffe, wie Ephedrin aus Ephedrakraut, können insbesondere in Kombination mit Coffein tödlich sein.

Es gibt (noch) keine Internet kompetente Überwachungsbehörde. Die Behörden werden erst aktiv, wenn auffällige Produkte im Zoll beschlagnahmt wurden. Und das kann für viele Konsumenten zu spät sein.

 

Der Handel mit Medikamenten zum Zwecke des Missbrauchs im Sport ist laut Arzneimittelgesetz verboten. Wer Arzneimittel zu Dopingzwecken im Sport in den Verkehr bringt, verschreibt oder bei anderen anwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft! Zur Umgehung von Handelsverboten werden diese Substanzen deshalb meistens über osteuropäische Länder vertrieben und, als Nahrungsergänzungsmittel deklariert, über die Grenzen in die Bundesrepublik geschmuggelt. Häufig enthalten die Produkte zu wenig, gar keine oder falsche Wirkstoffe. Es gibt keine Garantie, dass die Arzneimittel unter keimfreien Bedingungen produziert wurden. Es wurden vermehrt Ampullen beschlagnahmt, die lediglich Pflanzenöl enthielten und mit Giftstoffen verunreinigt waren. Beobachtet wurden u.a Blut- und Methanolvergiftungen  sowie Abszesse an den Einstichstellen der User. Mikrobielle Verunreinigungen sind an der Tagesordnung und Totalfälschungen keine Seltenheit. So wurden zum Beispiel Ampullen beschlagnahmt, die statt Wachstumshormon Cortisol enthielten.   

 

Anbieter

 

Die Hintermänner und Drahtzieher unseriöser Anbieter sind keineswegs Bodybuilding Freunde, die ihren „Schützlingen“ zu mehr Erfolg verhelfen wollen, sondern skrupellose Geschäftemacher, die über Leichen gehen und unseren Sport in Verruf bringen. An der „Front“ werden gern Bodybuilding Insider eingesetzt, die ihre Kasse aufbessern möchten. Bei Razzien werden in der Regel nur die Frontmänner zur Rechenschaft herangezogen, während die Drahtzieher unbeeindruckt unter neuer Adresse mit neuen Produktnamen weitermachen. Daher sollte man Produkte, die unter dem Tresen oder von vermeintlichen „Freunden“  hinter vorgehaltener Hand angeboten werden, auf keinen Fall erwerben.      

 

Vor der Bestellung eines Nahrungsergänzungsmittels zur Leistungssteigerung oder Fettverbrennung über das Internet sollte man genau schauen, ob man sich anhand der Angaben des Anbieters ausreichend informieren kann. Andernfalls empfiehlt es sich, vom Kauf abzusehen.

  • Ist ein Impressum vorhanden, mit Postadresse, Telefonnummer, Email-Adresse, Unternehmensform, verantwortlichen Personen?
  • Werden Name und Adresse des Anbieters bzw. Herstellers genannt? Achtung, falls nur ein Postfach oder eine Adresse im Ausland angegeben ist. Bei Rückfragen, Inanspruchnahme von Geld-zurück-Garantien oder eventuellen Gesundheitsschäden ist eine Rückverfolgung meist sehr schwierig.
  • Gibt es eine Packungsabbildung? Kapseln in Plastikbeuteln und Gläser mit bunten Aufklebern ohne klare, deutliche Beschriftung in Deutsch oder Blisterpackungen mit fremdsprachiger Anleitung sind nicht Vertrauen erweckend.
  • Gibt es eine Verkehrsbezeichnung wie beispielsweise "Nahrungsergänzungsmittel mit Carnitin und Hagebuttenpulver" oder "Diätetisches Lebensmittel zum Einsatz bei Reduktionsdiäten" oder „Diätetisches Lebensmittel für intensive Muskelanstrengungen für Sportler“?
  • Ist anhand der Verkehrsbezeichnung erkennbar, ob es sich um eine "Nahrungsergänzung", "eine bilanzierte Diät" oder ein "diätetisches Lebensmittel" handelt? Phantasienamen deuten nicht auf Seriösität hin.
  • Gibt es eine Liste der Inhaltsstoffe?
  • Werden Wirkstoffe inklusive Mengenangaben genau benannt oder nur im Text blumenreich beschrieben?
  • Können Sie diese Produkte auch in einem Fitnessstudio oder einem Health Food Store bekommen oder sind sie in Deutschland wegen ihrer Gefährlichkeit verboten?
  • Gibt es eine exakte Dosierempfehlung?
  • Werden Risiken und Nebenwirkungen genannt? „Rein natürlich“, „rein pflanzlich“ oder „seit Jahrhunderten angewendet“ sind kein Beleg für Sicherheit.
  • Findet sich eine Inhaltsangabe (wie etwa Gewicht, Anzahl der Kapseln)? 

Lassen sich diese Fragen anhand des Internetauftritts nicht beantworten, sollten Sie Ihrer Gesundheit und Ihres Geldbeutels zuliebe auf den Kauf verzichten.

 

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