Aminosäuren und Peptide (Methionin und Cystein)

 

Aminosäuren und Peptide für die schnelle Regeneration nach dem Training

 

Von Wilfried Dubbels

 

Aminosäurendefizite können die Regenerationsgeschwindigkeit nach dem Training stark abbremsen, da zunächst das Immunsystem mit Aminosäuren versorgt sein muss, bevor Aufbauprozesse eingeleitet werden können. Glutaminsäure spielt dabei eine zentrale Rolle im Immunsystem. Für Bodybuilder ist ein ausgeglichener Glutaminspiegel deshalb von cardinaler Bedeutung. Die verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin verhindern ein Absinken des Glutaminspiegels. Aber auch die anderen essenziellen Aminosäuren wie Phenylalanin, Tryptophan, Methionin, Lysin und Threonin sowie die semiessenzielle Aminosäure Arginin, halten den Glutaminspiegel hoch. Ein Muskelaufbau kann erst bei Erreichen eines ausgeglichenen Glutaminbestands eingeleitet werden. Daher ist die Post-Workout Supplementierung mit Aminosäuren von hervorragender Bedeutung. Allein mit Whey-Protein erreichen Sie eine schnelle Anflutung der verschiedenen Aminosäuren. Hydrolisiertes Whey-Protein und freie Aminosäuren sind als Bausteine von Proteinen ohne lang anhaltende Verdauung sogar noch schneller verfügbar als Whey-Protein und können schon während des Trainings in hoher Konzentration vom Körper aufgenommen werden. Sie enthalten keine anderen Nahrungsbestandteile, die die Resorption behindern, wie zum Beispiel Harnsäurebildner und andere unerwünschte Begleitstoffe, die die Regeneration beeinträchtigen könnten.

  

Wie bereits im Abschnitt Proteine erwähnt, sind die Aminosäuren nicht nur als Bausteine der Muskulatur von Bedeutung, sondern sie bilden auch Hormone und unterstützen den Stoffwechsel, indem sie den Blutfett- und Blutzuckerspiegel optimieren, worauf ich in den folgenden Kapiteln etwas ausführlicher eingehen möchte.

 

Die Bedeutung der schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und (Acetyl)-Cystein

 

Die essenzielle Aminosäure Methionin sowie das semiessenzielle Cystein werden nicht nur zum Aufbau von Muskelsubstanz benötigt, sondern sie sind auch an der Glutathionsynthese maßgeblich beteiligt und tragen damit zur Entgiftung des Körpers bei. Zur Bildung des Cysteins wird ein großer Teil des Methionins verbraucht. Durch Verabreichung von Cystein kann der Methioninbedarf um bis zu 80 % ersetzt werden, was für Menschen mit Neigung zu erhöhten Homocysteinspiegeln von Bedeutung sein könnte, da sich aus Cystein kein Homocystein bilden kann.  

 

Überschüssiges Methionin, das nicht zum Aufbau von Körperprotein, sondern zur Bildung von Cystein benötigt wird, setzt eine Methylgruppe frei. Hierbei entsteht kurzzeitig Homocystein. Bei einseitiger methioninreicher Ernährung, wie zum Beispiel bei Eier-Diäten, und einem Mangel an den Vitaminen B12, B6 und Folsäure kann sich Homocystein anreichern. Erhöhte Homocysteinwerte werden unter anderem für Durchblutungsstörungen verantwortlich gemacht. Bereits 1986 wies Kimio Sugiyama von der Shizuoka Universität im japanischen Ohya auf diese unerwünschte Wirkung von Methionin bei entsprechender Veranlagung hin. Dieser Personenkreis sollte in der Ernährung auf Cystein ausweichen. Menschen mit gesundem Stoffwechsel, die sich B-vitaminreich ernähren, haben hiermit aber kein Problem.   

 

Ein Derivat des Cysteins, das Acetyl- Cystein, kann dem körperlichen Verfall  von Krebspatienten und alten Menschen entgegenwirken, berichtet das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Untersuchungen zufolge bremsten genau dosierte ACC-Gaben bei 23 Krebspatienten nicht nur den Abbau der Muskelmasse (antikatabole Wirkung), sondern förderten sogar deren Aufbau (anabole Wirkung). Dadurch verbesserte sich die Muskelfunktion und die Lebensqualität der Patienten. Mehrere Studien mit gesunden und kranken Teilnehmern hatten laut DKFZ ergeben, dass der körperliche Zustand vom Cysteingehalt im Plasma abhängt. Bei niedrigem Cysteingehalt schreitet der Abbau von Muskelmasse voran, ein hoher Cysteingehalt fördert den Aufbau von Muskelmasse, so berichten die Autoren. Inwieweit diese Studien auf sportlich aktive Probanden, die mehr Muskelmasse aufbauen möchten, übertragbar sind, bleibt abzuwarten! Inzwischen sind mehr als zehn Jahre vergangen und in den Health Food Stores in U.S.A. wird ACC bereits seit Jahren zur Nahrungsergänzung im Leistungssport  angeboten. Man hatte bislang jedoch nur anhand von Tierversuchen nachweisen können, dass ACC einen günstigen Einfluss auf die Muskelleistung ausübt. Die Heidelberger Studie bestätigt, was die Amerikaner schon lange vermuteten: ACC wirkt auch  am menschlichen Muskel.

 

Bereits 1988 wies Friedrich Reus von der Universität Ulm in den „ Fitness News „ auf die Bedeutung schwefelhaltiger Aminosäuren in der Sportmedizin hin. Die anabole Wirkung einer proteinreichen Ernährung orientiert sich am Gehalt der schwefelhaltigen Aminosäuren. Da Cystein im Gegensatz zum Methionin eine freie Schwefelwasserstoffgruppe enthält, ist es reaktionsfähiger als Methionin. Eine biologische Besonderheit des Cysteins: Es kann über Disulfidbindung Dimere bilden (Cystin). Im Blut liegen Cystein und Cystin nebeneinander vor, der Cystin-Anteil liegt jedoch bei mindestens 70 Prozent.

 

Cystein verhindert Glutaminverluste im Blutplasma. Glutamin gehört wie Glycin und Cystein zu den Glutathionbildnern. Besonders bei Stress, körperlicher Belastung und Reduktionsdiät wird die Glutathionbildung durch die Verfügbarkeit von Glutamin begrenzt. Cystein ist jedoch nicht nur Glutathionbildner, sondern darüber hinaus kann es das Glutathionsystem eigenständig entlasten. Auf Grund seiner reaktionsfreudigen Schwefelwasserstoffgruppe kann Cystein aggressive Radikale abfangen und durch Entgiftung des Körpers dazu beitragen, dass Muskelschäden reduziert werden und die Muskelermüdung erst wesentlich später eintritt. Wissenschaftlichen Studien zufolge fördert Cystein den Aufbau von Muskelmasse und verbessert die Muskelfunktion und die Lebensqualität. So wurde bereits vor längerer Zeit nachgewiesen, dass der Glutathionverlust nicht so hoch ist, wenn bei Belastung Cystein verabreicht wird. 

 

Der eiweißsparende Effekt des Cysteins lässt sich dadurch erklären, dass  erhebliche Mengen Glutathion und damit auch Glutamin, welches teilweise aus anderen Aminosäuren nachgebildet werden müsste, eingespart werden.

 

N-Acetylcystein, Kurzform Acetylcystein oder abgekürzt auch ACC genannt, ist der Wirkstoff eines in Deutschland verkehrsfähigen Arzneimittels, das als Hustenlöser bei Erkältungskrankheiten eingesetzt wird. Whey-Protein (Molkenprotein) zeichnet sich durch einen sehr hohen Cysteingehalt aus. In Whey-Protein-Hydrolysaten liegt Cystein als Aminosäure teilweise peptidisch gebunden vor und wird nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sogar besser resorbiert als „freies“ Cystein. Wer jedoch ACC bevorzugt, kann es sich über die Apotheke besorgen. Bereits eine Brausetablette a’ 200mg während des Trainings mit reichlich Wasser reicht, um Muskelschäden zu verhindern.

 

Copyright Wilfried Dubbels

 

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